Vom Zufallsergebnis zur Zahl
Eine Zufallsvariable X ordnet jedem möglichen Ergebnis eine Zahl zu; ihre Verteilung beschreibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit Werte auftreten. Der Erwartungswert E[X] ist das langfristige Verteilungszentrum, die Varianz Var(X)=E[(X−E[X])²] die mittlere quadrierte Abweichung. Kovarianz Cov(X,Y)=E[(X−E[X])(Y−E[Y])] misst lineares gemeinsames Variieren; Kovarianz 0 beweist im Allgemeinen keine Unabhängigkeit.
Geprüftes Bernoulli-Beispiel
Für X∈{0,1} mit P(X=1)=p=0,20 gilt E[X]=p=0,20 und Var(X)=p(1−p)=0,16. Bei 50 unabhängigen, gleich verteilten Beobachtungen hat die Summe S Erwartungswert 50·0,20=10 und Varianz 50·0,16=8. Der Stichprobenanteil X̄=S/50 hat Standardfehler √(0,16/50)=0,0566.
Plain German: Einzelne 0/1-Werte streuen stark; der Anteil über 50 Fälle streut von Stichprobe zu Stichprobe deutlich weniger. Das ist eine Aussage über die Stichprobenverteilung des Schätzers, nicht über die Verteilung einzelner Fälle.
Population → Stichprobe → Entscheidung
- Zielpopulation: Für wen soll die Aussage gelten?
- Estimand: Welche Populationsgröße, etwa Anteil p?
- Sampling Frame: Welche Einheiten konnten tatsächlich ausgewählt werden?
- Design: Zufällig, geschichtet, geclustert oder zeitlich gezogen – und mit welchen Gewichten?
- Schätzer/Schätzung: Regel vorab, beobachteter Wert danach.
- Unsicherheit/Entscheidung: Standardfehler plus systematische Fehler und fachliche Schwelle.
NIST trennt Repräsentativität, Stichprobengröße, Populationsvariabilität und gewünschte Präzision als vier Eignungsfragen.[2] Zufällige Auswahl verhindert keine unglückliche einzelne Stichprobe, reduziert aber systematische Auswahlverzerrung im wiederholten Sampling; Modelle können beliebige Nichtrepräsentativität nicht reparieren.[3]
Designwahl
- Einfach zufällig: klarer Frame, homogene Population.
- Geschichtet: wichtige kleine Gruppen sicher abdecken; Gewichte beachten.
- Cluster: günstiger, aber Intra-Cluster-Abhängigkeit erhöht oft Unsicherheit.
- Zeit-/Gruppensplit: bei Deployment- oder Leakage-Fragen statt zufälligem Mischen.
Fehlerquellen
- Undercoverage, Nonresponse, Survivorship und Messfehler.
- Pseudoreplikation: abhängige Zeilen als unabhängige Fälle zählen.
- Optionales Stoppen oder Analyseauswahl nach Ergebnis.
- Größeres n senkt Zufallsfehler, aber nicht automatisch Bias.
Interview-Falle
„Wir haben sehr viele Zeilen, also ist die Stichprobe repräsentativ“ ist falsch. Frage nach Auswahlmechanismus, unabhängigen Einheiten, Zielpopulation und zeitlicher Übertragbarkeit.
Belege auf dieser Seite
- Probability Distributions · geprüft 2026-09-01
- Populations and Sampling · geprüft 2026-09-01
- The data are randomly sampled from the process · geprüft 2026-09-01