Hypothetisches Interview-Szenario

APKV-Falllabor: vier verschiedene Entscheidungen

Vier kontrastierende Health-Insurance-Szenarien trainieren Advisory-only, einfache Baselines, phased Rollout und eine begründete No-AI-Entscheidung.

Hypothetisches SzenarioZuletzt fachlich geprüft: 2026-09-02
Hypothetisches Interview-Szenario

Alle vier Fälle sind erfundene Übungssituationen. Sie beschreiben keine APKV-Projekte, Datenbestände oder Abläufe. Jede Zahl und Schwelle muss in einem realen Projekt mit Betroffenen, Fachbereich, Datenschutz, Security, Legal/Compliance und Betrieb vorab vereinbart werden.

30-Sekunden-Triage vor jedem Modell

FrageWenn unklarKonsequenz
Welche Handlung folgt dem Output?Output klingt nur nach „Insight“Kein Target definieren; Workflow zuerst klären.
Kann ein Fehler Zugang, Preis, Leistung oder Wartezeit verschlechtern?Folgen sind indirektBetroffenenpfad und Proxy-Wirkung kartieren.
Ist Gesundheitsbezug wirklich nötig?Feature ist nur leicht verfügbarWeglassen; zweckärmere Baseline testen.
Gibt es sicheren Fallback und Widerspruch?Manuelle Kapazität fehltNicht ausrollen oder Scope/Kapazität ändern.

Fall A · Dokumentextraktion, advisory-only

Ziel / Nicht-Ziel: Mitarbeitende finden Felder schneller; keine Leistungs- oder Anspruchsentscheidung. Nutzer/Betroffene: Sachbearbeitung und einreichende Personen. Einheit/Label/Horizont: Dokumentversion beim Eingang; Goldfelder aus Doppelreview, bevor spätere Bearbeitungsdaten entstehen. Leakage: keine Abschlusscodes oder nachträglichen Korrekturen als Input.

Baseline → Kandidat: Template-/Regex-Regeln, dann OCR plus Extraktor nur bei nachgewiesenem Mehrwert. Evaluation: Feldgenauigkeit und Coverage je Dokumenttyp, kritische False Extractions, Reviewzeit, Korrekturrate und barrierebedingte Subgruppen; Akzeptanzwerte vorab. Rollout/Betrieb: retrospektiv → Shadow → begrenzte Vorschläge; Confidence-Abstention, versionierte Dokumente, Drift-/Override-Monitoring, manuelle Rückkehr und Owner. Empfehlung: enger advisory Scope; stop bei unzuverlässigem Goldstandard oder nicht kontrollierbaren Fehlfolgen.

Fall B · Wissensassistenz mit Retrieval

Ziel / Nicht-Ziel: Mitarbeitende zu freigegebenen Quellen navigieren; keine individuelle Deckungs-, Leistungs- oder Rechtsauskunft automatisch versenden. Einheit: Frage plus Nutzerrolle, Quellenstand und erlaubter Dokumentraum. Baseline: Suche mit Filtern und Templates. Kandidat: RAG nur bei messbarem Zusatznutzen.

Evaluation: Retrieval Recall@k, Claim-Level-Groundedness, korrekte Fundstelle, Aktualität, Abstention bei unbeantwortbaren Fragen, ACL-Verstöße, Injection-Tests, Latenz und Kosten. Rollout: kuratiertes Eval-Set → Red Team → interner Entwurf mit verpflichtender Quellenprüfung. Betrieb: Dokumentversion, Berechtigungen vor Retrieval, Least Privilege, Outputvalidierung, Kill Switch und Suchfallback. Empfehlung: Wenn strukturierte Suche gleich gut ist, die einfachere Lösung behalten.

Fall C · Arbeitsvolumen prognostizieren

Ziel / Nicht-Ziel: aggregierte Kapazitätsplanung; keine Priorisierung einzelner versicherter Personen. Stakeholder: Operations, Mitarbeitende, indirekt wartende Personen. Einheit/Horizont: Eingangsvolumen pro Queue und Woche für die nächsten vier Wochen; revisionssicherer „as-of“-Datenstand. Leakage: keine nach Horizont bekannten Abschluss- oder Korrekturwerte.

Baseline: saisonales Naivmodell. Kandidat: robuste Zeitreihe erst bei besserer rolling-origin Evaluation. Metriken: MAE/WAPE je Queue, Intervall-Coverage, Unterbesetzungsstunden, Wartezeit und Planstabilität; kleine Queues nicht durch Aggregate verdecken. Rollout/Betrieb: Planer sehen Intervalle und können begründet übersteuern; Monitor für Bias, Coverage, Queue-Neuzuordnung und Datenverzug; Rückfall auf Baseline. Empfehlung: Aggregation und einfache Baseline begrenzen Datenschutz- und Wartungsrisiko.

Fall D · Individuelles Risiko oder Pricing

Zielbehauptung: Eine Person schlägt individuelle Gesundheitsdaten zur automatisierten Risikobewertung oder Preisfindung vor. Erste Antwort: Prototyp stoppen. Der Intended Purpose berührt eine konsequenzielle Entscheidung und einen im AI Act ausdrücklich genannten Bereich; Gesundheitsdaten unterliegen besonderem Schutz.[2][3]

Klärung vor Technik: rechtliche Grundlage und anwendbare Fassung, Verantwortlichkeiten, Betroffene, Profiling, notwendige Daten, mögliche Diskriminierung/Proxies, Widerspruch und Abhilfe, bestehende nicht-AI-Regeln, Beleg eines legitimen Nutzens und echte menschliche Eingriffsmacht. Empfehlung: Im Interview weder Features noch Modell optimieren. Ohne bestätigten zulässigen Zweck, Governance und risikoadäquaten Prüfpfad: No AI. Falls der reale Zweck enger und rein prozedural ist, neuen Scope separat bewerten und dokumentieren.

Executive-Answer-Formel

„Unter diesen Annahmen empfehle ich [Baseline/Advisory/No AI], weil [Nutzerwert] die Risiken [Fehlerfolge/Datenschutz/Fairness/Betrieb] nur dann überwiegt, wenn [vorab definierte Evidenz]. Ich würde mit [Shadow/Pilot] starten, [Metriken/Subgruppen] prüfen und bei [Stop-Kriterien] auf [Fallback] zurückgehen.“

Belege auf dieser Seite

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